Isla Margarita

Wir beschließen, so schnell wie möglich die Isla Margarit anzusteuern. Ein Bus bringt uns von der City bis nach Puerto la Cruz, wo wir mit dem Schiff übersetzen können. Dort angekommen trifft uns der Schlag: Mehrer hundert Leute stehen Schlange am Ticket-Schalter zur Fähre, ein Gebrüll, Geschrei der Wartenden, Volksfeststimmung! Wir gehen unter als europäische Touristen, ein freundliches Pärchen aus Caracas hilft uns, die übertriebenen Formalitäten auszufüllen, ehe wir uns in der Schlange einreihen können. Waren es 4 oder 5 Stunden, wir wissen es heute nicht mehr genau. Mit dem Erhalt der Tickets fuhr die Fähre los. Christian hat schon viele Fähren gesehen, doch so etwas noch nie. Kein Wasser, keine Spültoiletten, Holzbänke, keine Rettungsboote, einfach grausam! Wir ließen die Nacht passieren und legten früh morgens am Ufer der Insel an. Ein Taxi brachte uns in die Hauptstadt Porlamar. Im Hotel Imperial quartierten wir uns ein, wieder total erledigt, entkräftet und übermüdet. Trotzdem schaffen wir es noch, einen kleinen Roller zu leihen, der uns auf der Insel mobil machen sollte.


 


7 Tage hatten wir unseren Roller und nahmen es uns zum Ziel, die Insel zu erkunden. Neben den nahen Stränden von Polarmar fuhren wir in den Norden, dem touristischen Zentrum der Isla Margarita, der vor allem von Venezulanis angesteuert wird. Da waren sie also, die tausende von Urlaubern, die mit uns die Fähre teilten. Schätzungsweise 3000 Autos waren alleine am berühmtesten Strand, dem Playa El Aqua geparkt. Rimini-Gefühle kommen bei uns beiden auf, am Strand konnten wir keinen freien Platz ausmachen. Schnell fuhren wir weiter nördlich zum Strand Playa Manzanillo und von dort aus wieder östlich zur Playa Puerto Cruz. Ein wunderschöner Sandstrand mit wenigen Badegästen lud uns zum verweilen ein, wir stürzten uns sogleich in die einladende Karibik.

Nach weiteren Touren auf dem östlichen Teil besuchten wir Playa El Yaque, ein beliebter Windsurfing-Spot mit internationalem JetSet. Am Rande des Beaches fanden wir ein ruhiges Plätzchen und Christian war begeistert von den Sprüngen und der Akrobatik, die da einige Kiter zeigten. Der sonst so geschätzte Lesestoff aus Deutschland wurde zur Nebensache, mit Aufkommen noch stärkeren Windes zeigten einige Locals ihr Können, nicht selten setzten sie nach einem Sprung erst nach 30 Metern und mehr wieder auf.
Das Schauspiel sollte unsere weitere Reiseplanung ändern. Etliche Kiteschulen präsentierten sich an der Playa, die Idee, das Kiten zu erlernen war geboren!

Flugs zogen wir nach El Yaque ins El Yaque Motion um. Mike und Bernd führen hier ein Hostel mi Gemeinschaftsküche und freundlichen Zimmern, wie wir es von Costa Rica her kannten. Viele Kiter und Surfer teilten sich hier das Dach. Hier lernten wir Matthias aus Augsburg, die beiden Mostviertler Bernd und Tom kennen, die sich in El Yaque 3 Monate auf den Kite-Worldcup vorbereiteten. So wurde bereits vor dem Kite-Kurs gefachsimpelt und diskutiert, welchen Kite für welchen Wind etc.

Gleich vorweg: So einfach, wie es dem Betrachter vom sicheren Ufer auch erscheinen mag, ist das Kite-Surfen nicht. Etliche Male knallte Christian nach starkem Zug des Kites ins Wasser (Silke beobachtete die Lehrstunden vom sicheren Begleitboot!). Nicht so schlimm, wenn das Brett aber noch hinzukommt, fällt es dem Amateur Christian aber nicht leicht, sich auf beides zu konzentrieren. "Kite 12 Uhr, Brettl vor Dir, Kite runter auf die 2, Kite zwischen 12 und 2 kreisen, wie ein Fröschchen draufstellen" lauten die Befehle meiner Lehrerin Pauline. Klar für den Könner ein leichtes. Endlich kam der erlösende Sturz bei hoher Geschwindigkeit, mit dem ich den ersten Tag endete. Meine Bandscheiben meldeten Protest an, der Helm verhinderte schlimmere Kopfverletzungen. "Wenn Du einmal in Fahrt bist, brauchst Du nicht mehr pumpen"! Ok, verstanden, ich erreichte mit dem Boot das sichere Ufer! Nach einer Woche El Yaque und ca. 1 1/2 Stunden mit dem Brett auf dem Wasser kann ich den Kite nun halbwegs unter Kontrolle halten. Meine Bandscheiben danken mir den Verzicht auf weitere Lehrstunden, vielleicht ergibt sich ja in Brasilien noch die Fortführung und Verbesserung des erlernten.

Mit Wehmut verließen wir am 21. Januar die Insel Margarita. Wir hatten eine tolle Zeit, viele nette Leute kennengelernt, mehr über Land und Leute erfahren, Silke fast alle mitgebrachten Bücher gelesen und Christian hat seinen Traum vom Kiten verwirklicht. Aller Abschied fällt schwer, die monotone Schiffsüberfahrt nach Puerto la Cruz lässt die westlichen Berge der Isla verschwinden, wir sind wieder auf dem Festland.

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