Ciudad Bolivar

Wir starten morgens mit dem Bus aus Puerto La Cruz Richtung Ciudad Bolivar. Die Strecke verläuft fast kerzengerade durch die Savanne, eintönig flankieren Ölleitungen die Strasse zum längsten Fluss des Landes, den Orinoco. Die Klimaanlage scheint nicht richtig zu funktionieren, die Temperaturen im Bus waren erträglich. Normalerweise kühlten die Busfahrer Ihre Busse auf eine unerträgliche Temperatur herunter, Decken und warme Kleider werden zur Pflicht. Wir sitzen in der vordersten Reihe im doppelstockigen Reisebus, so haben wir eine phantastische Sicht auf die Puente de Angostera, eine knapp 1,7 Kilometer messende Brücke über den längsten Fluss Venezuelas.


 

Beim Aussteigen bemerken wir ein belgisches Pärchen, die wir tags zuvor in Santa Fe, in der Nähe von Playa Colorada getroffen haben. Wir nehmen zusammen ein Taxi und steuern direkt auf die Posada Don Carlos. Ciudad Bolivar ist eine quirlige Stadt. Zumindest tagsüber herrscht hier buntes Treiben, der Passeo Orinoco ist die Flaniermeile Bolivars, hier kann man fast alles kaufen. Am Plaza Bolivar findet am Abend ein Rockkonzert statt, wir mischen uns in die Menge und genießen die ausgelassene Stimmung der Venezulanis.
Nachts dagegen wird man gewarnt, die Gegend im Historischen Center soll sehr unsicher sein, wir halten uns daran und kochen Spagetti mit dem belgischen Pärchen.

Touren: Viele Besucher von Ciudad Bolivar benutzen die Stadt als Sprungbrett zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Venezuelas, dem Angel Fall, Canaima oder unzähligen weiteren Wasserfällen, deren Besuch sich wirklich lohnen sollte. Für uns keine einfache Entscheidung. Viele Backpacker erzählten von sehr niedrigen Wassermengen, der Besuch und die sehr kostspielige Anreise würde sich nicht lohnen. 250 € müsste man pro Person hinlegen, um den Wasserfall zu Gesicht zu bekommen. Wir entschließen uns, nachdem es auch unsicher ist, den Wasserfall tatsächlich auch zu sehen (wegen der Wolken), das Angebot aufgrund tief liegender Wolken abzulehnen und hoffen darauf, mit den Wasserfällen Iguazu im Süden Brasiliens unseren persönlichen Höhepunkt zu erreichen.
Bereits am Tag der Entscheidung geht der Bus Richtung Santa Elena. Unsere neuen belgischen Freunde begleiten uns auch auf dieser Strecke, sie wollen gemeinsam eine Freundin in Santa Helena besuchen.

Die Fahrt war mörderisch. Nachts, fürchterliche Strassen, unzählige Militärkontrollen mit Personen- und Gepäckkontrollen, keine Schlafsitze, einer defekten, tropfenden Klimaanlage und einem einschlafenden Fahrer. Erinnerungen an das schlimmste Teilstück unserer Reise! Der Ausblick auf die in den Morgenstunden auftauchende Gran Sabana entschädigte für die katastrophale Fahrt. Die Landschaft ist phantastisch, fast märchenhaft fliegt sie an uns vorbei. Kleine Rinnsale, die in kleine Bäche münden, kristallklares Wasser, eine lindgrüne Landschaft, so weit das Auge reicht! Einfach traumhaft.

In Santa Helena verabschiedeten wir uns von Marte und Luis und gehen zielsicher auf den brasilianischen Bus-Terminal zu. Wir dürfen mit unseren Papieren nicht nach Brasilien einreisen, sagt die freundliche Venezolanerin. Eine Eintragung im Impfpass scheint nicht zu stimmen, die wichtige internationale Bescheinigung zur Gelbfieber-Impfung fehlt!! Als würde das öfter geschehen, organisierte sie für uns ein Taxi, das uns ohne diese notwendige Bescheinigung über die Grenze zum brasilianischen Bus-Terminal bringen sollte. Nach einer halben Stunde Taxi-Fahrt betraten wir brasilianischen Boden und waren überglücklich, doch noch einreisen zu können.

Wir sind in Brasilien!

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