Fortalezza

Fortalezza ist eine Großstadt mit ca. 3 Millionen Einwohnern. Das hätten wir nicht gedacht, als wir den Flughafen verließen und nach einem Bus nach Cumbuco Ausschau hielten. Zig Male mussten wir mit dem Gepäck umsteigen, zig Male mussten wir umsteigen, ehe wir entkräftet ein Taxi anhielten, das uns direkt in das Kite-Paradies von Brasilien bringen sollte. Von unseren Reiseguides Esther und Petr aus der Schweiz wurde uns wärmstens Mannies Posada empfohlen, auch uns fiel es schwer, seine Pension auf Anhieb zu finden. Eine noch unereträglichere Hitze machte die Suche noch schwerer, uns verließen bald die Kräfte. Nach der Einquartierung genossen wir den Luxus einer eigenen Küche, eines riesigen Kühlschranks und eines King-Size Bettes und legten uns erschöpft aufs Ohr.


 

Mannie ist Deutscher und kommt aus Frankfurt. Vor gut 16 Jahren ist er nach Brasilien ausgewandert und hat nach langer Reise durch das land Cumbuco für sich entdeckt. Damals promotete er wegen der stetigen Winde das Windsurfen und machte es für Brasilien salonfähig. Im Wandel der Windsport-Szene etablierte er (sicher mit Hilfe namhafter Kiter) Cumbuco als Kite-Eldorado, in dem 6 Monate stetige Winde wehen. Seitdem findet ein Abverkauf der kleinen Stadt Cumbuco statt, unter seiner Regie werden Grundstücke an Investoren verkauft, man glaubt an den großen Boom, ja die Rede ist von einem zweiten Marbella. Den Fischern des Ortes werden für günstiges Geld ihre Häuser abverkauft, Europäer sollen Schwung in das verdreckte Dorf bringen. Bald entsteht in der Nähe ein Golfplatz, die Grundstückspreise sollen exorbiant steigen, wer zahlt die Rechnung an dieser Entwicklung? Bis dato partizipieren die Locals an der wachsenden Zahl der Touristen, was aber, wenn das Management allein in der Hand von Europäern ist? Der Ami ist verhaßt, eine direkte Fluglinie aber soll eingerichtet werden.
Wenn das Hinterland auch wunderschön ist, Cumbuco selbst bietet nicht viel bis gar nichts. Der Strand ist überfüllt mit Plastiktüten und Dreck, der von der Millionenstadt Fortalezza angespült wird. Wenn der Wind stimmt, verschlucken die Wellen den Unrat, wenn er aber nicht so heftig weht, gleicht der Strand einer Mülldeponie, ein übel riechender Smog verteilt sich über "Neu Marbella". Da haben selbst Kiter Probleme, gegen die Müllberge im Wasser anzukämpfen. Schade, mir verging die Lust, meinen Kite-Kurs hier fortzusetzen.

Bei Mannie haben wir viele Leute kennengelernt. Hier waren Walter und Claudia aus Wien, zwei angefressene Kiter, Tobi, der das Kiteforum.com betreibt, Helmut, ein Chemiedoktor aus Regensburg, Robert aus München, Marco aus zürich und last but not least Katja und Sonja aus München und Murnau. Es war wunderschön Euch kennenzulernen!

Cumbuco gibt für Nicht-Kiter nicht allzu viel her, Silke holte sich gleich zu Beginn eine Magen-Darm-Infektion, von der sie sich eine Woche lang nicht erholen sollte. Christian plagt ein Herpes, sauber, eine richtige Lazarett-Stimmung! Wir rafften uns auf und organisierten einen Leihwagen. Endlich kamen wir wieder in den Genuss des freien, unabhängigen Reisens. Wir kruezten die Küste nordwärts bis Paracuru und südwärts bis Canoa Cebrada, ein ehemaliges Hippie-Dorf, in dem die Zeit stehengeblieben zu scheint.

An einem unserer letzten Abende feierten wir mit Marco und Robert ein Samba-Fest anlässlich des Carnevals, dessen Ende wir geduldig abwarteten, da alle Hotels und Pousadas entlang der Küste zur größten Party der Welt ausgebucht waren.

Wir denken gerne zurück an Cumbuco, wir bestiegen am 2.03. die Maschine nach Rio de Janeiro.

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